Nachlese: Starkes Seminar "Angepasster Gehörschutz - Kommunikation im Lärmbereich"

Gehörschutz, ein trockenes Thema? Weit gefehlt. Die rund 30 Teilnehmer des jüngsten Seminars "Angepasster Gehörschutz - Kommunikation im Lärmbereich" waren dank interessanter und vielfältiger Inhalte bis zum Schluss ganz Ohr.

Problemfeld Lärm

Ob Lärm "nur" stört oder das Gehör schädigt, ist eine Frage der Dosis. Ein Tages-Lärmexpositionspegel (Mittelwert über 8 Stunden berechnet) von über 85 dB oder auch starker Impulslärm über 137 dB kann das Gehör irreparabel schädigen. Bei Überschreitung muss vom Arbeitgeber Gehörschutz bereitgestellt werden. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben.

Was ist Lärm? Diese Frage stand am Anfang der Veranstaltung und wurde nicht nur in der Theorie behandelt. Locker und unterhaltsam verstanden es die Referenten der BG Rohstoffe und chemische Industrie dem Publikum die Problematik nahe zu bringen. Denn ohne Verständnis für das Problem gibt es keine Trageakzeptanz. Und keine Erkenntnis der Dringlichkeit bei Entscheidern.

Ist das Summen einer Mücke Lärm? Es symbolisiert die Hörschwelle. Es wird bei langer Dauer als störend empfunden und ist somit tatsächlich Lärm (erzeugt Stress). Auch leise Geräusche (die das Gehör nicht schädigen) können ein Problem sein, wenn sie stetig und nervig sind.

Frequenzen

Nicht nur die Lautstärke, auch die Frequenzen sind beim Hören wichtig. Zwischen Infraschall und Ultraschall liegt der für den Menschen hörbare Bereich (zwischen 20 und 20.000 Hertz). Um den Teilnehmern ein Gehör für hörbare Frequenzen und deren Grenzen zu vermitteln, wurden verschiedene Geräuschfrequenzen eingespielt. Dazu wurden alle gebeten, aufzustehen. Wer das Geräusch nicht mehr hörte, sollte sich hinsetzen. Mehrere Teilnehmer erstaunten durch ein besonders gutes Gehör. Bei Hörschäden fallen gewisse Frequenzen aus. Und das bedeutet nicht einfach nur ein leiseres Hören, sondern dramatische Verluste im Hörverstehen.


Dezibel richtig verstehen

Der Angabe von Lärm in dB (Dezibel) liegt keine lineare Skala zugrunde, sondern ein Logarithmus. Das führt zu gefährlichen Missverständnissen und einer falschen Wahrnehmung der unschädlichen Expositionszeit für Lärm. Die Referenten der BG haben dies in ihrer Präsentation verständlich und eindrücklich erklärt. Für eine verständliche Einschätzung wurden etliche Beispiele aus dem Alltag erwähnt. Ein Diskoaufenthalt kann so schon nach 15 Minuten zum Problem werden. Eine Disko kann man allerdings einfach verlassen (Aber wer tut das nach 15 Minuten? Ein Anlass, auch die Lärmbelastung im privaten Bereich einmal zu überdenken!). Lärm im beruflichen Bereich ist durch Vermeidung (andere, leisere Maschine), kollektive Maßnahmen (lärmdämmende Umhausung) oder im letzten Schritt durch PSA (Persönliche Schutzausrüstung) zu mindern. Eine Verdopplung der Lärmbelastung (dB plus 3 entsprechend des Logarithmus) bewirkt jeweils eine Halbierung der ungefährlichen Expositionszeit.

Mit zwei Bohrmaschinen wurde demonstriert, wie sich die Lärmbelastung erhöht, wenn mehrere Geräuschquellen zusammenkommen. Jeder der Bohmaschinen ergab für sich eine Messung von rund 93 dB. Wurde die zweite parallel angeschaltet, sprang das Messgerät auf 96 dB.

Da anders als in anderen Bereichen der Mathematik beim Dezibelwert 0+0=3 ergibt, zählt der Wert bei einer Verdopplung der Lärmbelastung um jeweils 3 Zähler hoch. Die schädliche Wirkung tritt also schon nach der Hälfte der Zeit ein, der man dem Lärm ausgesetzt ist.

 

Problem erkannt, Lösung parat

Nach der Einführung ins Thema folgten zwei Vorträge zu Möglichkeiten, das Gehör durch Otoplastiken (angepassten Gehörschutz) wirksam zu schützen und eine einwandfreie Kommunikation zu erhalten. Neben der Reduktion der schädigenden Lärmeinwirkung ist nämlich der Erhalt der Kommunikationsfähigkeit am Arbeitsplatz ein wichtiger Faktor. Warnsignale z. B. müssen trotz Gehörschutz zuverlässig erkannt werden, die Verständigung mit Kollegen muss noch möglich sein. Besondere Vorteile bieten Otoplastiken. Die individuell abgeformten Ohrschalen sind sehr angenehm zu tragen, lassen sich bei Verlust kostengünstig nachproduzieren (3-D-Druck) und optional mit Kommunikationselementen kombinieren. Als Experten auf diesem Gebiet erläuterten die Referenten der Headset Company sowie von Phonak die technischen Grundlagen und die konkreten Optionen.

Am Schluss der Veranstaltung nahm die Hälfte der Teilnehmer das Angebot wahr, sich Otoplastiken anpassen zu lassen. Diese wurden zum speziellen Teilnehmerrabatt angeboten.

Auch Sie möchten mehr zum Thema Gehörschutz und Otoplastiken erfahren?
Dann wenden Sie sich gerne an Josef Heubrock. Sie erreichen ihn unter der
Telefonnummer (0 25 71)16-221 oder unter j.heubrock@carlnolte.de

 


27.05.2019 Carl Nolte Technik GmbH